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Der Jakobsweg

In den Pyrenäen vereinigen sich vier Wege durch Frankreich zu einem einzigen Weg durch Nordspanien, auf dem im Mittelalter Millionen von Pilgern zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela zogen. Der Jakobskult und die Wallfahrten nach Santiago de Compostela bildeten die Grundlage zur ersten und großen europäischen Gemeinsamkeit. Deutsche, französische und spanische Architekten, Bildhauer und Maler schufen entlang des Jakobswegs unvergleichbare Kunstwerke der Romanik und Gotik. Musik und Literatur fanden neue Formen, und die wirtschaftliche Bedeutung im Zusammenhang mit politischen und religiösen Verflechtungen erreichte große Dimensionen. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß der Jakobsweg wesentlich zum Aufbau des Abendlandes beigetragen hat. Könige trafen sich auf diesem Weg, und große Orden wie z.B. die der Tempelritter zum Schutz der Pilger, setzten verdienstvolle Akzente.

Im Jahr 1987 erklärte der Europarat den Jakobsweg zur ersten Europäischen Kulturstrasse.
 

Eunate

 

Im Neuen Testament ist neben Jakobus d.Ä. auch von einem Jakobus, genannt Thaddäus die Rede. Gelegentliche Unsicherheiten darüber, welcher denn nun von beiden in Santiago de Compostela begraben liegt, ließen den berühmten Spruch vom "Wahren Jakob" entstehen (alle Quellen ergeben inzwischen, daß es sich um Jakobus d.Ä. handelt).

Südspanien war zu jener Zeit von den Arabern besetzt, die man in Spanien Mauren, und in Europa Sarazenen nannte. Sie unternahmen wiederholt Angriffe auf den Norden Spaniens, "im Namen Allahs und seines Propheten Mohammed". Diesem Kriegspatron der Mauren setzten die Christen Jakobus entgegen. Von nun an zog man unter dem Zeichen des Maurentöters Jakobus und mit dem Schlachtruf "Santiago" gegen den ungläubigen Feind ins Feld. Die Kunde von Jakobus als Streiter für die christliche Sache drang bald nach ganz Europa und weckte in vielen den Wunsch, den Heiligen an seinem Grab zu verehren.

Der Jakobsweg wurde zum ersten gemeinsamen Erlebnis des Abendlandes. Mit einer gemeinsamen Religion gegen einen gemeinsamen Feind, die Mauren. Nichts läßt einen Glauben intensiver und lebendiger werden als die Präsenz einer Macht die anderen Glaubens ist und einem diesen Glauben auch noch aufzwingen will. Nicht umsonst wurde das Rolandslied zur meisterzählten Geschichte an den abendlichen Lagerfeuern der Pilgerhospize.
Die Pilger kamen nicht nur aus Frankreich und Deutschland, sondern auch aus Italien und Griechenland, aus der Türkei, aus Nordafrika und sogar aus Indien. Von Norden her kamen sie aus den Niederlanden, aus England, Skandinavien und Finnland. In der hohen Zeit des Jakobswegs war Santiago de Compostela von größerer Bedeutung als Rom und Jerusalem.

Die Legende von Santiago de Compostela

Der Heilige Jakob wurde 44 n. Chr. enthauptet und somit zum ersten Märtyrer des Christentums. Sein Leichnam wurde am Berg Sinai begraben, an der Stelle des berühmten Katharinenklosters. Als im Jahre 614 Sarazeneneinfälle drohten, wurde sein Leichnam an das Ende der damaligen Welt, an das ‚finis terrae‘, in der Nähe des heutigen Kaps Finisterre am nordspanischen Atlantik gebracht. Die Legende erzählt weiter, daß man den Sarg auf einen Wagen legte und diesen von Ochsen ziehen ließ bis sie von alleine stehen blieben. An dieser Stelle wurde sein Grabmahl errichtet. Im Jahr 825 sah ein Hirte öfters ein Licht, vielleicht einen Stern über einem Feld, und er berichtete dies der kirchlichen Obrigkeit. Sie entdeckten im tiefen Gebüsch das Apolstelgrab mit römischen Inschriften, welche Jakobus identifizierten. An dieser Stelle wurde die Stadt gegründet, deren Name allein schon Beweis genug für die Legende ist: Santiago von Jakob, Compostela von "campus stellae" = "Stern über dem Feld".

Jakobsverehrung in Deutschland

Auch noch heute finden sich in Deutschland in vielen Kirchen Zeugnisse der Verehrung des Heiligen Jakob aus dem Mittelalter. Als Vater aller Pilger wurde Jakobus so sehr mit der Figur des Pilgers identifiziert, daß er sogar auf Darstellungen des letzten Abendmahls mit Pilgerhut und Pilgermuschel, der Jakobsmuschel, dargestellt wird.

 

Abendmahl

 

Mit der Verehrung Jakobus ist es wie mit den Gänseblümchen: Wenn man genauer hinsieht, entdeckt man sie fast überall. Es kann zu einer Art Sammelleidenschaft werden, in alten Kirchen auf den Spuren des Jakobus zu sein, und es ist erstaunlich, wie oft man dabei fündig wird, vor allem im süddeutschen Raum.

Die Legende vom Hühnerwunder

Die drei Ereignisse aus der Jakobslegende, welche am häufigsten in deutschen Kirchen dargestellt werden, sind seine Enthauptung in Jerusalem, seine Überführung nach Galicien und das Galgen- oder auch Hühnerwunder. Weil man diese Geschichte auch in deutschen Gotteshäusern sehr oft sieht, will ich sie hier erzählen: Eine Pilgerfamilie aus dem oberschwäbisch-bayerischen Raum, machte Station in einem Gasthaus in Santo Domingo de la Calzada, in der Gegend von Burgos Rast. Die Tochter des Wirts hatte ein Auge auf den Sohn der Pilgersleute geworfen, welcher aber nichts von ihr wissen wollte. Aus gekränkter Eitelkeit steckte die flotte Maid dem spröden Knaben heimlich einen Silberbecher in sein Gepäck. Als die Gruppe wieder auf dem Weg war, schickte sie ihnen die Polizei nach, welche den Becher im Gepäck fand. Der Richter von Santo Domingo verurteilte den Jüngling kurzerhand zum Tode, und man hängte ihn an den Galgen vor der Stadt.
Die verzweifelten Eltern flehten in der Kirche zum Hl. Domingo und gingen am nächsten Tag nochmals zur Richtstätte, wo sie aber ihren Augen und Ohren nicht trauen wollten, als sie feststellten, daß ihr Sohn noch lebte und zu ihnen sprach: "Sankt Jakob hat mir die Füße gehalten. Geht in die Stadt und meldet dem Gericht meine Unschuld". Als man dem Richter, der sich gerade zum Essen setzte, die Kunde überbrachte, meinte er: "Der da draußen lebt genau so wenig wie die gebratenen Hühner hier auf meinem Tisch!" Im selben Moment erhoben sich die Hühner und liefen gackernd aus dem Raum. Schnell holte man den jungen Pilger vom Galgen herunter, und Gruppe zog weiter nach Santiago.
Was kann an einer so unglaublichen Legende eigentlich wahr sein? Nun, es kam schon vor, daß Gehängte nicht sofort tot waren. Nehmen wir weiter an daß die Hühner noch nicht gebraten, sondern in Vorbereitung dazu waren – man sah schon des öfteren Hühner ohne Kopf um die Ecke entschwinden. Eine Reihe von Zufällen, die chronologisch richtig ablaufen, und das Wunder ist perfekt. Auf jeden Fall hat sich dieses sogenannte Hühnerwunder in ganz Europa herumgesprochen und in Nordportugal wurde daraufhin der Hahn sogar zum Landessymbol erhoben.

Die Kunst am Jakobsweg

Die alten Pilgerlieder sind verklungen. Die Probleme und Strapazen eines modernen Jakobspilgers, selbst wenn er zu Fuß unterwegs ist, sind kaum noch mit jenen vergleichbar, welche für so manchen Pilger des 11. bis 15. Jahrhunderts mit einem schlichten Steinkreuz auf einem Friedhof in der Fremde endeten. Was ist übriggeblieben? Was ist heute das begreifbare Erlebnis des Jakobswegs? Die Kunst!
Das leuchtende Rot einer Rose vor dem Dunkel eines romanischen Kreuzgangs, in dessen Zwielicht die steinernen Fratzen auf den Säulenkapitellen jene phantasievolle Bildersprache aus dem Übergang von der Urzeit zum Christentum sprechen, welche uns heute so rätselhaft erscheint. Die Sprache ist rätselhaft, die Aussage nicht. Die Faszination der Romanik ist die Lust am Gegensatz: Chaos und Ordnung, Dunkel und Licht, Verzweiflung und Glaube. Aus Unergründlichem erwächst die Klarheit.

Der Jakobsbruder des Mittelalters

Viele Darstellung des Heiligen Jakobus selbst geben uns ein klares Bild der typischen Merkmale der Pilger: Sie trugen einen breitkrempigen Hut, dessen hochaufgeschlagene vordere Krempe die Pilgermuschel zierte. Ein weiter, regenfester Umhängemantel schützte vor den Widrigkeiten des Wetters. An einem langen Riemen wurde eine Ledertasche über die Schulter getragen, meist ebenfalls mit einer Jakobsmuschel verziert. Der Pilgerstab diente als Stütze, als Waffe gegen wilde Tiere und als Hilfe beim Gehen. An ihm hing eine Kalebasse als Trinkgefäß.
Die Verhaltensmaßregeln für die Pilger empfahlen, vor Antritt der Reise ihre Schulden zu begleichen, Buße zu tun, ein Testament zu machen, Abschied von Haus und Hof zu nehmen und sich von allen irdischen Gütern zu lösen. In seine Pilgertasche soll er hineintun Brot, Wein (aber nicht zu viel), Arzneien und ein Feuerzeug. Des weiteren sich einen Hut, gute Schuhe, weiten Mantel und einen Stab zu beschaffen. Für die Reise wird empfohlen sich ohne Widerstand verspotten zu lassen, sich keinen Ausschweifungen hinzugeben und sich Wirten gegenüber besonders vorsichtig zu verhalten.
 

Text aus dem Buch von Hansjörg Sing - Der Jakobsweg, Verlag VIA


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